Zwei Schulen und zwei Städte vereint durch Manga
Die Begeisterung der Jugendlichen in Offenbach für Manga ist weithin bekannt – und das nicht ohne Grund. Schließlich stammt die erste Manga-Künstlerin Deutschlands, Christina Plaka, aus dieser Stadt und ist ehemalige Schülerin der Marienschule. Ihr Einfluss ist bis heute spürbar: Unter ihrer Anleitung entstand im Rahmen des europäischen Erasmus-Plus-Projekts „Manga United“ ein außergewöhnliches Kunst- und Lernprojekt, das Schüler aus der Marienschule in Offenbach und dem Aristotelio College in Thermi (Thessaloniki, Griechenland) über zwei Jahre hinweg miteinander verband.
Ziel des Projekts war es, den Teilnehmenden die Kunst des Manga näherzubringen und ihnen zu zeigen, wie man durch gezeichnete Geschichten Ideen und Emotionen zum Ausdruck bringt. Das Ergebnis dieser intensiven Zusammenarbeit ist das Buch „Manga United“, in dem die Schüler ihre eigenen Werke veröffentlichen. Ihre Geschichten behandeln aktuelle Themen wie Umwelt, Integration, interkulturelles Zusammenleben und Sport – Themen, die jungen Menschen in ganz Europa am Herzen liegen.
Vom 29. September bis 5. Oktober hatten zehn Schülerinnen der Manga-AG der Marienschule Offenbach die Möglichkeit, nach Griechenland zu reisen. Der Besuch diente nicht nur dazu, ihre zweijährige Arbeit zu präsentieren, sondern auch, die Freundschaft zwischen den beiden Schulen zu vertiefen. Gleich zu Beginn der Woche eröffneten die deutschen und griechischen Schülerinnen gemeinsam eine Manga-Ausstellung in der Bibliothek von Thermi, die zwei Wochen lang der Öffentlichkeit zugänglich war. Zahlreiche Besucherinnen nutzten die Gelegenheit, die beeindruckenden Zeichnungen zu bewundern.
Ein weiterer wichtiger Programmpunkt war ein Besuch bei der deutsch-evangelischen Gemeinde in Thessaloniki, wo die Gruppe viel über das Schicksal von Geflüchteten in Griechenland und Europa erfuhr. Die Jugendlichen hörten bewegende Lebensgeschichten und lernten, wie ehrenamtliche Helfer Geflüchtete bei der Integration unterstützen.
Auch das Thema Umweltschutz, das im Manga-Buch eine zentrale Rolle spielt, kam nicht zu kurz. Gemeinsam mit ihren griechischen Partnerinnen nahmen die Schülerinnen an einer Strandreinigungsaktion in der Nähe von Thessaloniki teil. Dort sammelten sie unzählige Plastik- und Müllreste, die jährlich durch Meeresströmungen angeschwemmt werden – eine eindrückliche Erfahrung, die vielen bewusst machte, wie dringend unser Planet Schutz braucht.
Ein besonderes Highlight war der Manga-Workshop, den Christina Plaka in der Bibliothek von Thermi leitete. Die Schülerinnen aus Offenbach unterstützten sie dabei tatkräftig und gaben ihr Wissen an andere Jugendliche aus der Region weiter. Dabei entstanden viele kreative Zeichnungen und neue Freundschaften.
Der emotionale Höhepunkt der Woche war zweifellos die feierliche Präsentation des Buches „Manga United“ am 3. Oktober im Auditorium von Thermi. Die Schülerinnen stellten ihre Werke vor und erzählten die Geschichten hinter den Bildern. Neben den Schulleitungen der Marienschule Offenbach und des Aristotelio College nahmen auch Vertreterinnen der Stadt Offenbach teil – unter ihnen der Stadtverordnetenvorstehender Stephan Färber und Stadträtin Gertrud Marx – sowie lokale Behörden und zahlreiche Gäste.
Doch das Projekt ist noch nicht zu Ende: Vom 1. bis 6. Dezember 2025 wird der Gegenbesuch stattfinden. Dann reisen zehn Schüler des Aristotelio College nach Offenbach, wo eine Ausstellung, Workshops und eine Buchpräsentation in der Stadtbibliothek geplant sind. Schon jetzt steht fest: Diese Begegnung wird genauso inspirierend und erfolgreich sein wie der Aufenthalt in Griechenland.
Dr. María Dolores Sánchez Alacid



