Marienschule Offenbach

Projekte an der Marienschule

Liverpool – Eindrücke

Zwei Tage nach unserer Abfahrt aus Offenbach erscheint uns die Stadt, die wir hinter den Busfenstern an uns vorbeiziehen sehen und die für die nächsten Tage unser Zuhause sein wird, beinahe unwirklich. Sie beginnt allmählich, mit ein paar verstreuten Häusergruppen am Rande der Straße, sodass man, den Blick konzentriert nach draußen gerichtet, sich immer wieder zweifelnd fragt, ob man richtig liegt. Und plötzlich ist man da.

Liverpool. „Dirty pool“, wie uns später erklärt wird. Der Name erinnert an vergangene Jahre, als der Fluss den Menschen das tägliche Brot brachte. Immer noch ist der Mersey die Hauptschlagader der Stadt. Fähren fahren über die Irische See nach Belfast, Dublin und zur Isle of Man. Zwar ist der florierende Handel vorbei und die Docks geschlossen, doch überall verbleiben Spuren aus der Zeit, als Liverpool wohlhabender war als London selbst.

Wir kurven ein wenig durch das enge Zentrum, bevor wir unser Hostel erreichen und müde wie wir sind, nehmen wir höchstens flüchtig Notiz von der Stadt. Dann werden wir mit einer Karte in der Hand losgeschickt unsere Umgebung kennenzulernen, und so ist der erste richtige Eindruck eine lärmende, vierspurige Straße, die zum Stadtzentrum führt. Liverpool steht nicht still, auch nicht bei Nacht, wie wir merken werden.

Die Paradise Street begrüßt uns mit dem wohlbekannten Trubel einer großstädtischen Einkaufsstraße. Man erinnert sich halb nostalgisch an Frankfurt. Da ist natürlich noch die Sache mit dem Geld; Briten zählen in Pfunds und Pences und die meisten von uns brauchen eine Weile bis sie zurechtkommen. Genauso wie der Linksverkehr und die Ampeln auf der eigenen Seite des Bürgersteiges – es ist ein Unterschied, etwas zu wissen und es zu erleben.

Später werden wir mit dem Bus durch die Stadt gefahren, lernen die wichtigsten Orte kennen. Kirchen, Museen, Denkmäler und offizielle Gebäude stehen auf dem Plan und beinahe alles, was wir hören, ist uns neu. Die Geschichte von Liverpool ist reich und vielschichtig. Bis zum Mittelalter eine unbedeutende Kleinstadt, stieg sie im 18. Jahrhundert durch Sklavenhandel zur zweitwichtigsten Stadt in Großbritannien auf, um später wie zum Trotz zu einer der ethnisch vielfältigsten englischen Städte ihrer Zeit zu werden – 1790 entstand hier die erste Black Community des Vereinigten Königreiches, die Chinesische etwas später. Das 19. Jahrhundert war das Zeitalter der Industrialisierung. Der Hafen brachte Liverpool unermesslichen Reichtum und der rege Erfindungsgeist der „Liverpudlians“ machte die Stadt zu einem Zentrum des technischen Fortschrittes. Durch die Große Hungersnot getrieben wanderten in den 1840ern tausende von Iren ein, ein Ereignis, welches noch heute die Demographie der Stadt prägt. Die Finanzkrise der 1920er dämpfte die Entwicklung und nach dem zweiten Weltkrieg folgte der Fall. Die Docks waren nicht mehr zeitgemäß, die Arbeitslosigkeit stieg. Erst seit den 1990ern geht es wieder bergauf.

Eines der Dinge, wovon Liverpool heute lebt, ist das Vermächtnis der Beatles. Die Straßen, in denen die Mitglieder der Band aufwuchsen, werden von den Anwohnern mit leichtverständlichem Stolz bewahrt und dank einem Song von 1967 kennen tausende von Menschen auf der ganzen Welt nun eine kleine Gegend im Südosten von Liverpool – Penny Lane, auf der natürlich fast alles immer noch ist, wie damals.

Beatles-Restaurants und Cafés, Beatles Werbung…und natürlich das Beatles Museum. Wir begeben uns auf eine lange und ausführliche Reise durch die Geschichte der Band, ausgestattet mit Audioguides. Und während der Erzählung ersteht auch das Liverpool der 1940er – 1960er Jahre vor unseren Augen auf, belebt  und illustriert durch die Musik der Zeit und zahlreiche Ausstellungsstücke. John Lennons erste Gitarre hat ihren Platz in einem Glaskasten gefunden, beinahe wie ein Heiligenrelikt. Man merkt, wie sehr Liverpool ihre berühmtesten Söhne am Herzen liegen, die vieles aus der Stadt schöpften und sehr vieles zurückgaben.  

Wir verbringen viel Zeit außerhalb Liverpools. Obwohl die engen Straßen und Backsteinbauten allmählich zu etwas vertrautem werden, kann man eine Stadt nach drei Tagen nicht verstehen. Liverpool ist alt und jung, auf eine gewisse Weise, mit ihren drei Universitäten und den unzähligen Studenten, welche abends in die Innenstadt strömen. Alt und jung, wie der glitzernde, gläserne Neubau und der viktorianische Turm des Liver Buildings am Pier Head, wie die Liverpool Cathedral, die trügerisch gotisch aussieht, doch nicht einmal hundert Jahre zählt.

Bunt, vielseitig und herzlich, trotz der Kälte und der rauen Seeluft. Am Ende glaube ich, dass wir viel mitgenommen haben von der nordenglischen Industriestadt, an die im Voraus wahrscheinlich keine besonders hohen Erwartungen gestellt wurden. Vor allem ein Stück britische Realität, abseits von den von Touristen besetzten Straßen von London.

Yulia Kudryavitskaya

 

 

Projektreisebericht Wales/Nordengland

 

Die Abreise fand um 6:45 an der Schule statt und trotz Schneefall kamen alle Teilnehmerinnen pünktlich. Deutschland und die Niederlande zogen als Schneelandschaft an uns vorbei, bis wir für unsere Stadtführung durch Delft den warmen Bus verlassen mussten. Wir spazierten zwischen entzückenden kleinen Häusern mit großen einladenden Fenstern, der alten schiefen Kirche und dem Rathaus herum, nicht zu vergessen die Kanäle mit den schmalen Brücken und das anschließende Einkehren in den Subway oder das Informationszentrum zu dem Künstler Jan Vermeer mit angeschlossenem Cafe. Nach dem erneuten Besteigen des Buses begann das Abenteuer: das Betreten der Fähre, wobei im Vorhinein noch ein Vortrag über den Lagehafen der Fähre, Rotterdam, gehalten wurde.

Nach dem Erhalten der Tickets und der Einweisung durch das Schiffspersonal, welches uns darüber aufklärte, dass wir möglicherweise „etwas hüpfen würden“,was mit anderen Worten hieß, dass wir starken Seegang haben würden, betraten wir, Einige statt der Köffer mit kleineren Taschen bewaffnet, die Fähre und bezogen die Zimmer. Aufgrund des Wellengangs besorgten wir uns vorsorglich die Sicherheitsgestelle für die Hochbetten, wie es uns das Schiffspersonal geraten hatte.

 

Nach der Nacht und dem Frühstück auf dem Wasser betraten wir Teilnehmerinnen englischen Grund und fanden uns schon bald nach der Passkontrolle wieder im Bus, der uns nach dem Vortrag über den Ankunftshafen Hull nach Liverpool und in das dortige Jugendhostel beförderte. In der Freizeit vor dem Beziehen der Zimmer machten wir erste Erkundungen der Umgebung und entdeckten die Innenstadt Liverpools.

Zum nächsten Programmpunkt begab sich unser Bus zum „Albert Dock“, wo wir den Stadtführer trafen, der uns die Sehenswürdigkeiten von Liverpool zeigte, wie z. B. das Gebäude der Reederei zu dem die Titanic gehört hatte, die sieben ursprünglichen Straßen von Liverpool, Plätze, die mit den Beatles zu verbinden sind wie „Penny Lane“ oder das Hotel „A Hard Day‘s Night“, aber auch die größte Kathedrale der englischen Kirche.

Der Tag klang mit dem Beziehen der Zimmer, dem ersten Abendessen im Hostel und einer Shoppingtour aus, andere trafen sich zum Werwolfspielen, was sich auch während der Busfahrt wiederholte.

 

Am dritten Tag besuchte die Gruppe die Stadt Chester am Fluss „Dee“, die auch während einer von Schülern vorbereiteten Stadtführungen von den Teilnehmerinnen bei der Besichtigung der Kirche, der besonderen Fachwerkhäuser und den römischen Ruinen entdeckt wurde.

Am Nachmittag besuchten wir das Beatles Museum, welches uns die gesamte Entstehungsgeschichte der Band darlegte und uns faszinierte.

An diesem Abend fand sich noch eine kleine Gruppe von Teilnehmerinnen zusammen, die sich einen Kinobesuch in England nicht entgehen lassen wollte und so die Filmvorführung des Musicals „Les Miserables“ im Kino ansah.

 

 

 

 

Am nächsten Morgen freuten wir uns auf einen Besuch im Snowdonia Nationalpark, über welchen wir im Bus ebenfalls einen Vortrag hörten, und besichtigten eine Schiefermiene der Waliser, in der wir über das Leben unter Tage informiert wurden und in die wir mit einer interessanten Bahn hinuntergelassen wurden. Nach der Weiterfahrt durch schneeweiße Hügel und grüne Wiesen mit Schafen, welche als weiße Flecken in der Landschaft erkennbar waren, fanden wir uns in dem kleinen Dorf Lainfair PG wieder, welches einen der längsten Städtenamen hat, was uns zwei Teilnehmer der Projektfahrt berichteten. Dort konnten wir noch einen Souveniershop besuchen, bevor wir, erneut im Bus, unseren Weg nach Caernarfon fortsetzten, um die dortige Burg zu besichtigen. Nach dem Vortrag über die Vergangenheit und die Architektur dieses Gebäudes ging es noch kurz zum Strand an die Meerenge zwischen Anglesey und Snowdonia, um Panoramafotos zu schießen und Jakobsmuscheln für jede Schülerin, Lehrerin und natürlich den Busfahrer zu sammeln.

 

Nach der Rückkehr zum Hostel konnten wir das Liverpool Eye, also das dortige Riesenrad fahren oder anderen Freizeitaktivitäten nachgehen, bis wir dann am nächsten Morgen unsere Taschen packten und das Hostel verließen, um die Heimreise mit einem Abstecher nach York zu beginnen. In York selbst wurden wir erneut von Schülerinnen in die Geschichte und die Sehenswürdigkeiten der Stadt eingeführt, konnten die dort heimischen Schokoladenmanufakturen besuchen oder uns eine heiße Schokolade gönnen, bevor wir in den Bus stiegen und letztendlich wieder am Hafen zum Betreten der Fähre ankamen. Vorher wurden wir, im Gegensatz zur Hinreise, mitsamt dem Bus gewogen und unser Gepäck sowie einige Schülerinnen kontrolliert, und erst nach dieser Prozedur konnten wir mit unseren Tickets das Schiff betreten, welches allerdings ein neueres und größeres Schiff war. Aufgrund dieser Tatsache war Seekrankheit diesmal überhaupt kein Problem, es viel im größeren Boot nur schwerer, seine Kabienentür wiederzufinden, aber nach einiger Zeit des Herumirrens löste sich auch dieses Problem von selbst.

 

Der letzte Tag begann mit dem zweiten Frühstück an Bord und dem letzten langen Stop mit dem Bus,bis wir letztendlich den Weg in Richtung Offenbach einschlugen und es nach zwei Pausen und etwas Stau um ungefähr 15:30 Uhr erreichten, wo einige schon von ihren Eltern erwartet wurden.

Der Bus wurde ausgeladen und nach und nach verschwanden wir alle nach Hause, um das Wochenende zu genießen, obwohl es doch schade war, das diese Woche so schnell umging.

Vanessa Oberbannscheidt und Zoe Branke