Marienschule Offenbach

Fachbereiche

„Wollen wir uns ein neues Wort einfallen lassen“

Deutsch 10aL, Schuljahr 2005/06 - Unterrichtseinheit zu Alfred Anderschs „Sansibar oder der letzte Grund“

Im Rahmen dieser von Frau Klippel und Herrn Blume durchgeführten Unterrichtseinheit beschäftigten sich die Schülerinnen der Klasse 10aL (Schuljahr 2005/06) mit Alfred Anderschs Roman „Sansibar oder der letzte Grund“ aus dem Jahre 1957.
Nach Abschluss der Lektüre, Analyse und Interpretation des Romans analysierten die Schülerinnen das folgende aus der Nachkriegszeit stammende Gedicht Alfred Anderschs im Hinblick auf Form, Inhalt und Wirkung:

An die Deutschen
 
noch in den rauchenden
ebenen
unseres ausgelöschten landes
werden die letzten von uns
blind tappen
die worte

wehr

wehr

macht

pflicht

zungenlos
lallend
 
wollen wir uns
eh es zu spät ist
ein neues wort
einfallen lassen
 
irgendeins

Im Anschluss an eine intensive Gedichtanalyse erteilte Herr Blume den Schülerinnen eine mehrteilige Aufgabe:

Zuerst waren sie aufgefordert, ein Wort zu finden, das der von Andersch am Schluss seines Gedichtes gestellten Forderung entsprechen und zugleich im Zusammenhang mit seinem Roman „Sansibar oder der letzte Grund“ stehen sollte.
Anschließend sollten die Schülerinnen ein eigenes Gedicht zu dem von ihnen gewählten Wort verfassen. Beim Schreiben dieses Gedichtes sollten sie sich formal an Anderschs Gedicht orientieren, durften aber auch davon abweichen, wenn es ihnen sinnvoll erschien.
Die fertigen Gedichte wurden von der jeweiligen Autorin der Klasse vorgetragen, der Text wurde anschließend per Over-head-Projektor an die Wand projiziert. Daraufhin wurden die Gedichte von den Mitschülerinnen analysiert und interpretiert, wobei auch Fragen an die jeweilige Autorin zulässig waren. Die Gespräche, die die Klasse über die Gedichte führte, waren sehr vielschichtig und die Ergebnisse manchmal selbst für die Autorinnen überraschend.

Nachdem mit dem Vortrag der Gedichte vor der Klasse die erste Scheu überwunden war, war es zur Präsentation der Gedichte auf der schuleigenen Homepage nur noch ein kleiner Schritt.
Obwohl die über die Gedichte geführten Diskussionen sehr fruchtbar waren, sollen deren Ergebnisse hier nicht präsentiert werden, um den Besuchern dieser Seite und Lesern der Gedichte nicht die ganze Arbeit abzunehmen. Statt dessen sollen lieber die Gedichte für sich selbst sprechen...

Die Gedichte sind alphabetisch nach Titeln geordnet. Um die Seite etwas übersichtlicher zu halten, werden zunächst nur die Titel der Gedichte sowie die Namen und kleine Fotografien der Autorinnen angezeigt. Durch Klicken auf das Porträt der Schülerin oder den dazugehörigen Text lassen sich die Gedichttexte aber nach Belieben ein- oder ausblenden und können in der gewählten Kombination auch ausgedruckt werden.

Angst
von Selina Böckl

 
Bomben, Raketen
Menschen haben Angst
Hilferufe
schreiende Kinder
Seelen gefrieren
Eis, Elend, Hunger
Hilfe
helfende Hände
Schutz Trost
keine Angst mehr

Das einen immer wieder Einholende Vergessene
von Julia Lutz

Es ist vorbei
uns fehlen die schönen Wörter von früher
wenn nicht bald neue gefunden werden
tappen wir weiterhin im Dunkeln
um die Welt wieder zum Leuchten zu bringen
brauchen wir Worte wie

große kleine
Lichter Funken

erschreckend
beruhigend
 
wir erfreuen uns an ihnen
sie spenden Wärme
dennoch erleuchten sie uns auch die Vergangenheit
mit all ihren schrecklichen Dingen
uns wird klar
dass wir nie wieder
an diesen vergangenen Punkt zurückkehren wollen
wollen uns nie wieder daran erinnern
 
nie wieder

Freiheit
von Isabella Kohls
 
Manchmal wünsche ich mir ich hätte
keine Pflichten,
kein Gewissen,
keine Sorgen.
 
Manchmal wünsche ich mir niemand würde mich
zu Recht weisen,
belehren,
verbiegen.
 
Manchmal wünsche ich mir ich könnte tun
was ich will,
wo ich will,
wann ich will.
 
Manchmal wünsche ich mir ich wäre frei.

Frieden
von Nina Kemmerer

 
Es ist das Schönste,
                  aber auch das Härteste.
Es ist harmonisch,
                  aber auch anstrengend.
Es ist das pure Glück
                  aber auch sehr schwierig.
Es ist perfekt,
                  aber auch einengend.
Es ist die beste Lösung,
                  aber auch unterdrückend.
 
Es ist der Frieden, der unser Leben herausfordert.

Hoffnung
von Lisa Gittner

Wollen wir
jetzt da wir von allen verlassen
und alleingelassen sind
uns daran erinnern
wofür wir einst kämpften
 
einen Kampf ohne Waffen
und Gewalt
nur mit unserem Willen
 
lasst uns daran anknüpfen
und lasst dieses Wort
jetzt
da es nicht mehr vorhanden ist
wieder zu unserem Mittelpunkt werden
die Hoffnung

Lieben
von Anne Zeman

 
Wir sollten in
den Trümmern
die alten Worte vergessen
und neu
 

LIEBEN LEBEN
LERNEN LIEBEN


Wir sollten uns
zusammen tun und
helfen.
 
Zusammen können wir
ein zerstörtes Land
in neuem Glanz
erstrahlen lassen.
 
Wir müssen nur lernen
wieder zu lieben!

MACHTLOS
von Julia Kelek

 
irgendwo auf der Welt
ein gesprochenes Wort
ein mächtiger Mann
was unerwünschte Folgen haben kann
 
er hat viel Macht
er denkt an sich
ihn kümmert die Menschheit nicht
 
die Menschen sind hilflos
die Menschen leiden
sie fürchten die Macht die
er hat über sie gebracht
 
die Menschen müssen einen Krieg ertragen
in dem sie Familie und Freunde verloren
all dies geschieht weil sie MACHTLOS sind
und er sie zum Leiden zwingt
 
es ist die Aufgabe der Menschen
sich ihrer machtlosigkeit zu bekennen
und gegen Menschen zu kämpfen
die sich diesem Worte nicht stellen

Neuanfang
von Hannah Massoth

 
wir stehen vor ruinen
ruinen unserer
 
träume
hoffnungen
wünsche
 
alles scheint verloren
wir gehen über verwitterte steine
 
doch wenn man mut fasst und einen schritt ins
                                                                      unbekannte
                                                                                     wagt
 
dann ist der erste stein
für den
 
neuanfang
 
gelegt

Veränderung
von Magdalene Strzedulla
 
schleichend
doch stürmisch wird es kommen
über uns
das alte mit sich reißend
geschmeidig vorantastend
über aller munde
 
vergessen machend
 

das die
leid qual


doch festhaltend
wie immens
gedanklicher besitz
 
mögen wir
nicht verweilend
lassen uns’re hände
neue werke tun
meinend zu ändern
einmal
 
irgendwas...

Zuversicht
von Sabine Köhlhofer

 
Ich wünsche euch Zuversicht
sie ist unabdingbar für jegliches Leben
ohne sie könnt ihr nicht einen neuen Weg
des Vertrauens und des Vergebens finden
 
Was ihr braucht ist nur Zuversicht
inmitten der Angst und der Schrecken
durch sie kann sich die Hoffnung
in euren Herzen entfalten
 
Ich wünsche euch Zuversicht
euren Blick nach dem Ziel auszurichten
wenn euer Ja eurem Nein widerspricht
werden die alten Geschichten machtlos