Marienschule Offenbach

Fachbereiche

Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman

Gliederung

1. Einleitung

 

2. Erzählstruktur

2.1 Erzählperspektive

2.2 Handlungsstruktur

2.3 Figurenkonstellation

 

3. Einstufung des Romans als Bildungsroman

3.1 Lösung Weigands vom Elternhaus

3.2 Weigand und seine Erkenntnisse hinsichtlich des Journalismus

3.3 Weigands Beziehung zu Frauen

3.4 Weigands Selbstfindung und Welterkenntnis

 

4. Weigands Erkenntnisprozess im Spiegel der Autoren und Literaturbeispiele

5. „Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman“ als Lektüreempfehlung für junge erwachsene Leser?

 

6. Beispiel für Leistungsnachweis

1. Einleitung

Im Rahmen des Leistungskurses Deutsch 13/2 „Wirkungszusammenhänge von Literatur“ entschieden wir uns, den Roman „Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman“ von Wilhelm Genazino (München 2003, dtv 13311, 4. Aufl. 2006) zu analysieren.

Nach einer detaillierten Untersuchung des Werkes in Gruppenarbeit, entschlossen wir uns, ausgewählte Aspekte unserer Ergebnisse auf der Marienschule-Homepage zu veröffentlichen.

Autorinnen: Valentina Chiaofalo, Maike Hering, Janina Hilbert, Hannah Lukas, Tiziana Nisi, Simone Poehlmann, Lucia Rettig, Juliane West (Schuljahr 2010/11)

Kursleiter: Herr Beils

2. Erzählstruktur

 

2.1 Erzählperspektive

 

Der Erzähler gibt die Handlung aus der Sicht des Protagonisten Weigand in der 1. Person Singular wieder, weshalb für den Leser nur Weigands Sichtweise und seine Gedanken, Gefühle und Eindrücke sichtbar werden.

 

2.2 Handlungsstruktur

 

Die Romanhandlung beginnt im Winter, etwa zur Zeit der Jahreswende (S.10). Sie umfasst ungefähr die Dauer eines Jahres. Obwohl die äußere Handlung chronologisch verläuft, ergänzt der Protagonist die erzählte Handlung durch Rückblenden und Kommentare.

 

2.3 Figurenkonstellation

 

In dem Roman sind drei unterschiedliche Figurengruppen zu erkennen.

 

2.3.1 Privater Bereich

 

Hierzu zählen: Mutter, Vater, Gudrun.

 

Zu dieser Gruppe ist festzuhalten, dass die Beziehungen des Protagonisten rein oberflächlich sind. Die Mutter tritt Weigand gegenüber sehr dominant auf, daher ist für ihn keine freie Entfaltung möglich und es kann zu keiner emotionalen Bindung kommen.

Die Beziehung zwischen Mutter und Vater gestalten sich ebenfalls schwierig, allerdings ist hierbei der Vater der dominierende Partner.

 

2.3.2 Bereich der Spedition und Ausbildung:

 

Hierzu zählen seine Vorgesetzten sowie Mitarbeiter.

Das sind Frau Kiefer, Frau Siebenhaar, Herr Riedinger, Herr Schäfer, Frau Finkbeiner, und besonders wichtig: der Prokurist. Dieser erkennt das Potential in Weigand, obwohl er keinen Abschluss hat. Der Prokurist ist für Weigand eine Respektsperson.

 

2.3.3 Bereich des Journalismus:

 

Herr Angelmaier, Fräulein Weber, Frau Kremer, Linda und die restlichen Schriftsteller, außerdem sehr wichtig: Herr Herrdegen, der Chefredakteur, der Weigand die Chancen für eine journalistische Karriere ermöglicht.

3. Einstufung des Romans als Bildungsroman

3.1 Weigands Lösung vom Elternhaus

 

Weigands Loslösung vom Elternhaus kann man in zwei separate Vorgänge aufteilen: Zum einen die formale Loslösung, seinen Auszug, und zum anderen die emotionale Loslösung von seinen Eltern.

 

3.1.1 Die formale Loslösung vom Elternhaus

 

Zu Beginn des Romans ist Weigand von seinen Eltern vollkommen abhängig. Er verdient kein eigenes Geld und wohnt bei seinen Eltern (S. 35).

 

Seine Anstellung als Lehrling in einer Spedition (S. 17) und seine abendlichen Aufträge in der Lokalredaktion des „Tagesanzeigers“ (S. 19) sind der erste Schritt zur finanziellen Unabhängigkeit.

Als er aufgrund einer Urlaubsvertretung genug Geld verdient, kommt ihm die Überlegung, sich eine eigene Wohnung zu mieten (S. 82), wobei er keinerlei Vorstellung darüber hat, wie eine Wohnung für ihn sein sollte (S. 84).

 

Erst als er von Frau Finkbeiner eine Wohnung angeboten bekommt (S. 151), ergreift er die Initiative und unterschreibt den Mietvertrag für seine zukünftige Wohnung (S. 153).

 

Während seiner Ausbildung muss Weigand einen Teil seines Lehrlingsgehalts dem Haushalt beisteuern. Nach seinem Auszug fürchtet der Vater den Ausfall dieses Beitrages, Weigand aber sichert den Eltern auch weiterhin finanzielle Unterstützung zu (S. 154).

 

→ Das Verhältnis hat sich gewandelt: Nun sind die Eltern finanziell von Weigand abhängig.

 

3.1.2 Die emotionale Loslösung von den Eltern

 

Die Familienverhältnisse im Hause Weigand sind recht eindeutig: Der Vater ist das Familienoberhaupt, dem nicht einmal die Mutter widerspricht (S 107 und 155).

 

Der Vater ist zwar stolz über den Eifer seines Sohnes, interessiert sich jedoch nicht für dessen Tätigkeiten (S. 28) und dessen Meinung, was sich bereits in Weigands früher Kindheit zeigt (S. 107).

 

Auch seine Mutter befragt ihn nicht zu seinen Unternehmungen (S. 105). Dennoch scheint es, als sei ihr sein Leben nicht vollkommen egal, da sie sich um seine berufliche Zukunft bemüht und ihn unterstützt (S. 7 und 16).

Obwohl Weigand in seiner Kindheit eine gute Beziehung zu seiner Mutter hatte (S. 106 und 124), beginnt er, sich emotional von ihr zu entfernen. Anstatt ihr den bei der Eröffnung der Italienischen Woche im Kaufhaus Hertie erhaltenen Präsentkorb zu überbringen, schenkt er ihn seiner Kollegin Fräulein Weber (S. 96). Auch hat er seiner Mutter gegenüber gehässige und überhebliche Gedanken, sobald er über genug Geld verfügt, um sich mit teuren Anzügen neu einzukleiden (S.106).

 

Andererseits scheint er sich nicht vollkommen von seinen Eltern lösen zu können. Dies zeigt sich an seinen wiederholten Überlegungen über die Meinung seiner Mutter (S. 106) und seiner Angst, die Eltern mit seinem Auszug zu verletzten (S. 82).

 

Vor allem nach dem Tod der Journalistin Linda hat Weigand „das Gefühl, in notdürftig geflickten Verhältnissen zu leben“ (S. 124).

 

Der darauf folgende Auszug aus der elterlichen Wohnung bedeutet für ihn absolute Unabhängigkeit, allerdings fühlt er sich aufgrund der plötzlichen Veränderung seelisch angegriffen (S. 153).

 

Obwohl er froh ist, das „Elterngerümpel“ hinter sich zu lassen (S. 155), und die Eltern vorerst nicht sehen möchte (S. 158), bricht er die Verbindung nicht komplett ab, sondern möchte sie auch in Zukunft finanziell unterstützen (S. 154).

 

→ Obwohl Weigand versucht, sich von seinen Eltern zu lösen und sich auch einige Gründe für seine emotionale Loslösung ergeben, schafft er es nicht, vollkommen unabhängig zu werden.

 

Autorinnen: Janina Hilbert, Tiziana Nisi

3.2 Weigands Erkenntnisse hinsichtlich der Bedeutung und der Aufgabe der Zeitung

 

Als Nächstes untersuchen wir im Erkennungsprozess der Hauptfigur Weigand den Aspekt des Journalismus bzw. das Bild der Zeitung, und was beides für ihn bedeutet.

 

3.2.1 Einführung in das Leben als Journalist

 

Weigand erläutert hier, wie er als Laie Zeitungen auf sich wirken lässt und wie er sie zu seinem Zweck verwenden kann.

Seite 8/9: Weigand weist viele verschiedene Zeitungen auf, die für individuelle Bereiche stehen. Er selbst beschäftigt sich mit eigentlich primitiven Themen, benutzt Berichte für solche Zeitungen als Sprungbrett.

Seite 12: Stichwort „Literaten-Café“. Unterschiedliche Zeitungen liegen zum Lesen bereit und der Protagonist lässt sich von ihnen inspirieren und sieht sie als weiteres Mittel um seine Karriere zu etablieren.

 

3.2.2 Der Protagonist nimmt Kontakt zum etablierten „Tagesanzeiger“ auf.

 

Seite 20: Der Redakteur einer Allgemeinen Zeitung nimmt für Weigand die Rolle einer Respektsperson ein; könnte der Leser als Vorbild für ihn sehen. Herr Herrdegen (Redakteur) lässt sich auf den nicht ausgebildeten Weigand ein.

 

3.2.3 Erste Eindrücke: Faszination, der Journalismus (wie er ihn anfangs erfährt) als Ziel seiner Karriere.

 

Seite 21: Zu diesem Zeitpunkt ist er fasziniert von der Großartigkeit des Schreibens und der Vertiefung seiner Karriere. Erst später erfolgt die Erkenntnis der Einfachheit dieser Vorgänge. (Weigand gelangt schnell an einen festen Posten in der Redaktion.)

 

3.2.4 Weigands Kritik an der Zeitung allgemein

 

Seite 22: Der Protagonist erkennt, dass er über primitive, lächerliche und peinliche Ereignisse berichten muss.

Seite 24: Erkenntnis der Überheblichkeit und Wichtigtuerei der Journalisten sowie der Literaten im Allgemeinen.

Seite 32: Weigand erkennt, dass die Zeitung als Druckmittel dient.

Seite 40: Weigand erfährt über eine Bekannte, dass man über gewisse Veranstaltungen lügenreiche Texte schreiben kann und oftmals viel Erfindungsreichtum beweisen muss.

Seite 58: Die Literaten im „Freundeskreis“ des Protagonisten belächeln die AZ, seinen Arbeitgeber.

 

3.2.5 Beurteilung der eigenen journalistischen Tätigkeit

 

Seite 31: Erkennt erneut, dass er größtenteils nur „Kitschpfützen“ schreibt und bringt in Erfahrung, dass es für alle möglichen Institutionen eigene Redaktionen gibt.

Seite 75: Weigand formuliert eine Filmkritik, die er selbst als überzuckert und unwahr einstuft. Doch das Ausarbeiten von lügenhaften Texten macht Weigand inzwischen nichts mehr aus.

Seite 94: An dieser Stelle fragt sich Weigand, ob der Hochmut unzertrennlich mit dem Journalismus verbunden ist, da er an sich selbst eine solche Eigenschaft erkennen kann.

Seite 114: Erneut wird seine Arbeit als „hochtourige Geläufigkeit“ beschrieben, die Wiegand langweilig erscheint.

 

3.2.6 Trotz der Erkenntnis der Problematik, ist kein Lösungsversuch zu finden.

 

Seite 82: Der Protagonist führt seine Arbeit inzwischen routiniert aus und benötigt für einen Standard-Artikel weniger als 10 Minuten.

Seite 126: Der Protagonist berichtet über einen Mann, der einen Eifelturm aus Streichhölzern erbaute und begegnet diesem mit Hochmut und formuliert einen Artikel, der durchweg ironisiert ist.

Seite 130: Weigand beobachtet an anderen Journalisten den Übermut, den er bei sich selbst noch zu unterdrücken versucht.

Seite 132: Doch schon hier macht er sich selbst das Eingeständnis, dass er ganz genauso arrogant und überheblich handelt.

 

3.2.7 Weigand verändert oberflächlich seine Einstellung.

 

Seite 125: Weigand wendet sich von den „Kneipenschriftstellern“ ab und möchte nicht mehr mit ihnen über ihre nicht geschriebenen Romane sprechen.

Seite 127: Die Arbeit in der Redaktion erscheint Weigand erstmals unbehaglich, er erkennt, dass er nicht die große Wirklichkeit bearbeitet, sondern lediglich die Eitelkeiten von Kleinbürgern.

Seite 150: Sogar gegenüber seines Vorgesetzten reagiert der Protagonist mit Zynismus, was er im Nachhinein bereut.

Seite 151: Inzwischen verfasst Weigand im Halbschlaf seine Artikel. Routiniert.

 

Anhand der unterschiedlichen Teilaspekte erkennt der Leser einen eindeutigen Prozess, den wir hier in einer oberflächlichen Veränderung der Verhaltensweisen Weigands enden lassen. Dieser Prozess von der anfänglichen Begeisterung gegenüber der Zeitung und dem späteren Erkennen der Oberflächlichkeit und des Hochmuts der Journalisten wird in einer sehr kurzen Phase absolviert. Der Protagonist erkennt schnell, was wirklich hinter dem Beruf des Journalisten steht und kann sich mit dieser Verhaltensweise nicht anfreunden.

Dennoch findet er keinen Ausweg aus diesem Beruf. Auch am Ende des Romans, wenn er zwar die Arbeit als Redakteur aufgibt, bleibt er weiterhin für kleinere Aufträge empfänglich und wendet sich somit nicht gänzlich von der Zeitung und dem Journalismus ab.

Nichtsdestotrotz ist all dies ein wichtiger Aspekt in seinem Erkenntnisprozess, denn er erfährt vieles über die Primitivität des Menschen und des Lebens.

 

Autorinnen: Hannah Lukas, Simone Poehlmann

3.3 Weigands Beziehung zu Frauen

3.3.1 Beziehung zu Gudrun

 

Am Anfang des Romans führt Weigand eine Liebesbeziehung mit Gudrun. Er ist noch nicht sehr lange mit ihr zusammen, doch haben sie schon gemeinsame Zukunftspläne. Beide haben eine genaue Vorstellung, wie ihre gemeinsame Wohnung aussehen soll und wie viele Kinder sie Mal haben wollen. Weigand und Gudrun legen jeden Monat 15 Mark auf ein gemeinsames Konto zurück, um sich diese Träume später erfüllen zu können (S.14). Jedoch wird im Verlaufe des Romans schnell klar, die Beziehung zwischen Gudrun und Weigand ist sehr distanziert. Sie haben kaum gemeinsame Themen, über die sie reden können, oder dieselben Interessen. Die meiste Zeit hält Weigand Gudrun lange Vorträge über Schriftsteller die ihn interessieren. Es stört ihn auch nicht, dass diese Vorträge Gudrun nicht interessieren (S.15).

Weiterhin wird am Ende des ersten Kapitels deutlich, wie unterschiedlich die Interessen sind. Zwar haben Gudrun und Weigand Regeln, an die sie sich in ihrer Beziehung halten wollen, z.B. im sexuellen Bereich, doch möchte Gudrun sie in einem Moment der Schwäche übergehen. Zuerst lässt sich Weigand auch darauf ein und übertritt die selbst aufgestellte Grenze ebenfalls. Doch lässt er sich durch ein Interview im Radio mit Heinrich Böll ablenken und vergisst Gudrun sogar völlig (S.25/26).

Eine weitere Szene in der sehr deutlich wird, wie distanziert das Verhältnis der beiden zueinander ist bietet der gemeinsamen Bootsausflug (S.54/55). Gudrun erzählt hier Weigand, dass eigentlich eine Freundin mitkommen wollte, sie dies aber abgelehnt habe, da sie mit ihm alleine sein wolle. Weigand interessiert dies jedoch kaum, er betrachtet lieber die umher fliegenden Möwen.

Im weiteren Verlauf der Bootsfahrt fängt Weigand wieder an einen „Großvortrag“ (S.25; 54) über Schriftsteller zu halten. Jetzt ist es Gudrun die ihm nicht zu hört, sondern mit ihren Gedanken an einem anderen Ort ist. Weigand sieht dieses von beiden Seiten geltende Desinteresse am Anderen als natürlich an. Seiner Meinung nach, könne eine Person nicht ein Leben lang für eine andere interessieren (S.54). Zudem werden hier auch noch die unterschiedlichen Vorstellungen deutlich, die die beiden im Bezug auf ihre Beziehung haben. Gudrun fordert Weigand auf alleine einen Tanzkurs zu besuchen, da sie schon tanzen könne. Er sieht dies jedoch nicht ein. Er sieht es eher als eine Anmaßung an seiner Person, so etwas von ihm zu verlangen. Immerhin sei er ein Abendreporter, der soeben eine Urlaubsvertretung angeboten bekommen hat. Dies erzählt er Gudrun zwar nicht (wieder ein Hinweis auf die Distanziertheit), aber er erachtet diesen Wunsch trotzdem als unmöglich und nicht erfüllbar (S.54/55).

Nach dem missglückten Ausflug und den von Weigand abgelehnten Vorschlag Gudruns gemeinsam in den Urlaub zu fahren, ist diese verstimmt. Daraufhin

lädt Weigand Gudrun ein paar Tage später ins Freibad ein. Sie nimmt diese Einladung auch an (S.77/78).

Des Weiteren gibt es sogar Momente in denen er seine Beziehung zu Gudrun völlig verdrängt. Er stellt sich seine eigene Wohnung vor und nicht mehr die gemeinsame mit Gudrun. „Ich hatte in diesem Augenblick vergesse, dass ich mit Gudrun ein gemeinsames Sparbuch hatte und dass wir beide schon öfter darüber gesprochen hatten, wie unsere Wohnung aussehen sollte.“ Hier wird schon deutlich, dass die Beziehung wohl nicht halten wird (S. 84).

Während dieses Ausfluges ins Freibad stellen Beide jedoch schnell fest, dass ihre Beziehung keine Zukunft mehr hat. „Es entsteht eine ganz tolle Verwirrung, wenn zwei Personen plötzlich aufgeht, dass sie doch kein Paar sind“(S.85).

Einige Tage später treffen sie sich dann noch ein Mal, um das gemeinsame Kontos aufzulösen danach sehen sie sich nie wieder. Das Zerbrechen der Beziehung mit Gudrun ist für Weigand nicht schlimm.

Es wird also deutlich, dass diese Beziehung zwischen Gudrun und Weigand auf keinem emotionalen Boden gegründet ist. Vielmehr ist es eine Beziehung, die auf gegenseitigem Desinteresse gegründet ist und so auch keine Zukunft haben konnte. Weder Weigand noch Gudrun interessierten sich wirklich für das Leben des anderen.

 

3.3.2 Beziehung zu Frau Kiefer

 

Weigands Beziehung zu Frau Kiefer kann als Vervollständigung zu seiner Beziehung zu Gudrun angesehen werden. Er erfährt hier seine erste sexuelle Erfahrung, welche er mit Gudrun nicht teilte. Frau Kiefer bedeutet ihm emotional nichts. Sie ist lediglich bereit dazu, mit Weigand eine sexuelle Erfahrung zu teilen.

 

Weigand lernt Frau Kiefer in seinem Ausbildungsbetrieb kennen, sie ist eine Kollegin. Nach einem Zwischenfall, ein Arbeitskollege hat einen epileptischen Anfall und Weigand hilft, steig sein Ansehen bei Frau Kiefer. Sie bewundert ihn für seine schnelle Hilfe und glaubt nicht daran, dass sie genauso reagiert hätte (S.44-46). Während des Betriebsausfluges kommen die Beiden sich dann näher. Frau Kiefer erzählt ihm von ihrer Familie und ihrem Leben (S.65). Auf der Rückfahrt im Bus macht Weigand dann seine wohl erste sexuelle Erfahrung. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten schläft er im Bus mit Frau Kiefer. Ob diese während des sexuellen Aktes wirklich wach ist und diesen will oder Weigand nur gewähren lässt wird jedoch nicht deutlich (S.67-70). „Endlich war es mir egal, ob Frau Kiefer schlief oder nicht“(S.70).

Einige Tage später sieht er Frau Kiefer mit ihrer Familie in einem Cafe sitzen und es wird ihm klar, dass es nie mehr als diese eine sexuelle Erfahrung zwischen ihnen geben wird (S.95). Diese stört ihn allerdings nicht im Geringsten.

Es wird also deutlich, er brauchte Frau Kiefer nur, um seine erste geschlechtliche Erfahrung zu machen, da er diese mit Gudrun nicht hatte.

 

3.3.3 Beziehung zu Linda

 

Weigands Beziehung zu Linda ist die wichtigste für ihn. Linda ist älter und reifer. Durch seinen Umgang mit ihr reift er selber und wird erwachsener. Weigand lernt viel von Linda und profitiert von ihr mehr, als von jedem anderen aus seinem Umfeld.

 

Weigand lernt Linda während eines Auftrages als Reporter kennen. Es wird gleich deutlich, sie haben die Literatur als Bezugspunkt. Sie interessieren sich beide für ähnliche Autoren und haben somit Möglichkeiten, eine gemeinsame Basis zu finden (S.30/31).

Bei einem weiteren Auftrag, ein Konzert der LORDS, treffen die Beiden sich wieder. Hier wird noch ein Mal aufgezeigt, dass die Literatur ein Berührungspunkt der beiden darstellt (S.37/38). Nachdem beide das Konzert verlassen haben, erzählt Linda Weigand, sie möchte ein Buch schreiben. Dieses Buch solle über ihre Reise und Erfahrungen gehen, die sie gemacht hat, als sie mit einem Schiff nach New York fuhr. Sie erzählt Weigand kurz etwas über diese Reise und er überlegt, wie sie den Roman anfangen könnte (S.40/41).

Während eines weiteren Zusammentreffens beobachtet Weigand Linda genauer. Er stellt einige körperliche Merkmal fest. „Linda trug ein schulterfreies, dunkelrotes Samtkleid, das sehr gut in den Salon passte. Ich sah, dass ihre linke Schulter ein wenig tiefer lag als ihre rechte“(S.47). Im weiteren Verlauf des Treffens wird deutlich, Weigand betrachtet Linda nicht mehr nur als Kollegin, sondern auch als Frau. Sein Interesse an ihr wird größer und er macht sich sogar Gedanken über ihre Vergangenheit, also ihren Erfahrungen während der Schiffsreise und was ihr wirklich widerfahren sein könnte (S.49-51). Während einer Party findet die erste, zufällige körperliche Berührung der beiden statt. Im Anschluss an diese Berührung erzählt Linda Weigand weitere Details über ihre Reise nach New York. Hier wird schon deutlich, wie viel beide einander vertrauen müssen, da man sonst niemanden über sein Leben einzelne Details erzählen würde (S.59).

Während einer Autogrammstunde mit Rex Gildo wünsch sich Weigand Linda wäre auch da. Es ist das erste Mal, dass Weigand Linda vermisst und sich nach ihr sehnt (S.79).

Im weiteren Verlauf des Romas sehnt sich Weigand immer mehr nach Linda. Er möchte mit ihr reden und geht so sogar in ihr Stammlokal, in der Hoffnung, sie dort zu treffen. Als dies nicht der Fall ist und sie nach längerem Warten dort auch nicht erscheint, fühlt er sich deplaziert und es entsteht zum ersten Mal ein Gefühl der Eifersucht in ihm. „Die Eifersucht war ein seltsam umherkriechender Schmerz“(S.84).

Während des Je-ka-mi- Abends beobachtet Weigand Linda wieder genauer. Es fallen ihm weiter Merkmale an ihr auf und es wird immer deutlicher, welche Faszination sie auf ihn auswirkt (S. 98-101). Er wünscht sich sogar, sie habe sich für ihn hübsch gemacht, als sie von der Toilette wieder kommt (S.102). Als sie gehen möchte, will Weigand sie zurück halten, doch weiß er nicht wie. Er überlegt sich, er könne sagen, er habe eine Idee zu ihrem Roman, damit sie bleibt. Doch wird ihm klar, dass er dann schnell das Thema wechseln müsse, da er ja keine Idee habe. Eigentlich möchte er sich nur wichtig und für Linda interessant darstellen, da ihm klar geworden ist, dass er mehr als Freundschaft von ihr will. Er hat sogar das erste Mal das Verlangen, sie zu küssen und mit ihr ins Bett zu gehen. „Ich wollte Linda küssen, heute abend noch.“ „Mein Bedürfnis war gespalten. Die Sehnsucht wollte reden, das Verlangen drängte ins Bett“(S.103).

Als er dann im weiteren Verlauf des Romans von Lindas Selbstmord erfährt ist er schockiert und braucht erst einmal Zeit für sich alleine, um diese Nachricht zu verarbeiten. Er verlässt die Redaktion und läuft durch die Gegend. Im Moment der Trauer ist er Linda näher als je zuvor, er fühlt sich mit ihr verbunden. Für Weigand ist es, als sei ein Teil von ihm ebenfalls tot (S.116).

Weigand beschließt, an der Beerdigung von Linda teilzunehmen und fährt an die Nordsee. Nach kurzer Überlegung, was er anziehen solle zu Lindas Beerdigung beschließt er den Anzug vom Je-ka-mi- Abend anzuziehen. Immerhin hatte ihn Linda in diesem Anzug das letzte Mal gesehen. Während des Frühstücks überlegt er sich Gründe, warum Linda Selbstmord begangen haben könnte. Hier wird wieder deutlich wie viel Linda ihm bedeutet hat und immer noch bedeutet (S.117). Er überlegt sich an dieser Stelle ebenfalls, ob er nicht Lindas Roman schreiben sollte, um an sie zu Gedenken.

Während der Zugfahrt zu Lindas Beerdigung macht er sich Gedanken darüber, wo sie beerdigt werden wird. Es beruhigt ihn zu erfahren, als er auf dem Friedhof angekommen ist, dass sie innerhalb des Friedhofes beerdigt werden wird, trotz ihres Freitodes (S.118/119).

Auf der Trauerfeier wird Weigand klar, der Tod Lindas ist für ihn nicht das Schlimmste. Viel mehr bedrückt ihn, dass sein letztes Zusammentreffen mit Linda etwas so unwichtiges wie ein Je-ka-mi- Abend war (S.121).

Einige Tage später muss Weigand feststellen, seit Lindas Tod fehlt ihm etwas. Er fühlt sich nicht mehr wohl und hält sein Leben für „notdürftig geflickt“(S.124). Dies lässt sich wieder auf Weigands Gefühle beziehen, die er hat, nachdem er erfährt, dass Linda tot ist. Damals ist es für ihn, als sein ein Stück von ihm mit ihr gestorben, dieses Gefühl lässt sich in dieser Szene wieder erkennen (S.124). Außerdem überlegt Weigand in diesem Moment wieder, ob er Lindas Roman zu ihrem Andenken schreiben sollte. Er überlegt sich, in Lindas Stammlokal zugehen und ihre Freunde nach Tipps zu fragen, wie er den Roman schreiben sollte. Doch verdrängt er den Gedanken schnell wieder, da ihm klar wird, dass er mit den Kneipenschriftstellern nichts gemeinsam hat (S.124/125).

Am Abend dieses Tages unternimmt Weigand einen Versuch, einen neuen Anzug zu kaufen, da sein alter verdreckt und muffig ist. Allerdings muss er sich eingestehen, er kommt von seinem alten Anzug nicht los. Es ist sogar so schlimm, dass er denkt, Linda würde ihn, sehe sie aus ihrem Grab heraus, nur an diesem Anzug erkenne. Seine emotionale Bindung an diesen Anzug wird immer stärker, da er ihn mit Linda und ihrer gemeinsamen Zeit verbindet (S.126/127).

Wie wichtig Linda Weigand war, lässt sich an Hand der letzten Situation in Weigands Urlaubsvertretung erkennen. Er wird durch Kleinigkeiten, wie „Zündhölzer“ (S.133), an Linda erinnert. Wenn schon solche kleinen Details jemanden an eine verstorbene Person erinnern, so muss die emotionale Bindung sehr stark gewesen sein (S.133).

 

Durch alle diese Szenen, welche im Roman beschrieben werden, merkt man, wie sehr Weigand emotional an Linda hing und wie sehr er von ihr profitiert hat. Er reifte durch die Beziehung immer mehr zu einem erwachsenen Mann heran und festigte damit seine Persönlichkeit.

 

3.3.4 Fazit: Veränderungen in den Beziehungen von Weigand zu Frauen

 

Legt man abschließend sein Augenmerk noch auf den Abend im Theater, so lässt sich hier sehr gut seine Entwicklung aufzeigen. Weigand beschreibt selber, auf welche Art und Weise er früher junge Frauen kennen gelernt hat und was sie ihm bedeuteten. Im Theater, als er die Tochter vom Prokuristen vorgestellt bekommt, wird deutlich, wie sehr sich sein Interesse an Frauen gewandelt hat. Er macht sich sogar Gedanken darüber, was Ingrid über ihn denkt und ob sie für eine längere Beziehung die richtige Partnerin wäre (S.135-137).

 

So lässt sich sagen, Weigands Vorstellungen einer Liebesbeziehung haben sich im Laufe des Romans geändert. Während er anfangs nur eine Liebesbeziehung haben wollte, um in einer Liebesbeziehung zu sein, wie es für sein Alter üblich ist, so ändert sich sein Bild. Am Ende des Romans ist es ihm nicht wichtig eine Liebesbeziehung zu führen, um in einer solchen zu Leben. Er möchte eine Liebesbeziehung, die auf Vertrauen und gegenseitigen Interesse gegründet ist. Ebenfalls ist es ihm wichtig, dass die Liebesbeziehung für eine längere Zeit halten kann und „ausbaufähig“ ist.

 

Autorin: Juliane West

3.4 Weigands Selbstfindung und Welterkenntnis

 

Zuerst haben wir uns mit den Grundzügen des Charakters von Weigand beschäftigt:

Allgemein: Er ist ziellos und ratlos (S. 7/8) und ein schüchterner, schlechter Schüler (S.7).

1. Seine Überheblichkeit

 

Weigand baut sich einen Schutz aus Geschirr, um sich vor dem Rest der Lehrlinge abzuschirmen, das zeigt, dass er sich als etwas Besonderes sieht (S. 18/19)
Er vergleicht sich und seinen Lebensweg mit bedeutenden Schriftstellern (S.22).
Er betitelt die anderen Menschen als dumm (S.22).

→ Im Verlauf des Romans erkennt Weigand seine Überheblichkeit und versucht, sich zu ändern (S. 132-134). Am Ende tut es ihm sogar leid, dass er sich so gegenüber Herrdegen verhält und er legt dieses Verhalten weitgehend ab (S.150). Damit ist ein Wandel seines Verhaltens innerhalb des Romans zu erkennen.

2. Seine Einsamkeit

 

Weigand beschreibt sich selbst als einsam und unangepasst (S. 10 und S. 35).
Im Verlauf der Handlung versucht er, sich in die Schriftstellergruppe um Linda zu integrieren und verstellt sich sogar, um zu dieser Gruppe zu passen (S. 61/62)
Nach Lindas Tod erkennt er, dass er wieder einsam ist und versucht dieses Gefühl durch künstliche Verbindungen zu ihr zu verdrängen (S.116, 126, 135).

→ Weigand wird bewusst, dass er die Einsamkeit akzeptieren muss und wählt durch eine eigene Wohnung die Isolation. Doch er weiß ebenso, dass er neue Verbindungen zu Menschen schaffen muss, um diesem Gefühl zu entkommen.

3. Seine Angst vor dem Scheitern

 

Weigand ist an der Schule und bei der Suche nach einer Lehrstelle gescheitert. Auch wenn man den Anschein hat, dass ihm dies nicht viel ausmacht, wird einem durch Selbstreflexionen aufgezeigt, dass dies nicht so ist (S. 11 und 49).

Er hat Angst davor, gedemütigt zu werden und fühlt sich den Freunden Lindas nicht gewachsen (S. 58-60).

 

→ Am Ende des Romans lehnt er jedoch die Festeinstellung beim Tagesanzeiger ab. Damit beweist er, dass er sich Herausforderungen stellen kann und auch hier eine Entwicklung durchlaufen wurde (S. 150).

4. Selbstfindung

Weigand erkennt, dass er ein Doppelleben führt und findet dies zu Beginn aufregend und spannend (S. 21). Im Verlauf werden ihm jedoch die Nachteile bewusst (S.63) und lehnt diese Art des Lebens gegen Ende vollends ab (S.150).

Dieses Doppelleben ist eng verknüpft mit seiner Sicht auf sein Leben. Zuerst empfindet er eine große Zufriedenheit (S.24), doch mit seiner Reifung beginnt er, zu reflektieren und zweifelt an seinem Handeln (S. 124/125, 127, 132/133,143). Die ersten grundlegenden Einsichten erlangt er gegen Ende des Romans (S. 143, 146/147), also wird auch hier eine Entwicklung aufgezeigt.

5. Welterkenntnis

Auch bei der Welterkenntnis (seinen philosophischen Gedanken) erkennt man im Verlauf des Romans eine Entwicklung. Zu Beginn wirken seine Erkenntnisse noch ungeordnet. Er erkennt Tatsachen, doch weiß nicht, wie er sie genau einordnen soll.

Beispiele:

1. Weigand schreibt einen kurzen Text, doch fragt sich, ob dies nun wahr, schön oder eindrucksvoll sei (S. 13/14, 18).

2. Er denkt über seine jetzige Situation nach, doch für ihn liegt darin schon der Erfolg (S. 18).

3. Weigand sitzt in einem Lokal und denkt über das UNAUFHÖRLICHE nach (S. 33-35), doch kommt auch hier zu keiner Erkenntnis.

4. Er kommt an einem Blumenladen vorbei und beschreibt dadurch das Leben (S.52/53), auch hier kann er daraus jedoch keine Schlüsse ziehen.

Ab hier kann man jedoch eine Veränderung in seinem Verhalten erkennen. Weigand ist nun in der Lage, seine Erkenntnisse zu deuten und daraus auch Ergebnisse für sein Leben zu ziehen.

Beispiele:

1. Er sieht die Möwen und kann dazu auch eine Erklärung bieten (S. 55).

2. Ihm ist die Gier der Menschen zu wider (S. 93/94).

3. Weigand ist auf dem Schiff und ihm wird endlich klar, wie er sein Leben zumindest grob regeln möchte (S.146).

→ Auch bei dem Aspekt der Welterkenntnis entwickelt sich Weigand weiter. Er schafft es zu reflektieren und aus seinen Beobachtungen einzuordnen.

Daher würden wir abschließend sagen, dass „Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman“ ein Entwicklungsroman ist, also es in den Teilaspekten Veränderungen gibt.

 

Autorinnen: Valentina Chiofolo, Lucia Rettig

4. Weigands Entwicklungsprozess im Spiegel der Autoren und der Literaturbeispiele

 

Seite

Autor

Gattung

Literaturbeispiel

Biographische Bezüge

Literarische Bezüge

S.15

Wolfe, Thomas, Amerik.1900-1938

Epiker/Romane

Von Zeit und Strom (1935)

Legende vom Hunger der Jugend (Eugen Grant)

„faustische Forschergier nach des Rätseln des Daseins“

„Auf der Suche nach dem wirkl. Leben, verzweifelnd an den Banalitäten, die er wütend durchleuchtet“

S. 15

Tucholsky, Kurt; Deutsch. 1890-1935

Journalist

Leitet die „Weltbühne“ 1926-29

Mutters Hände (1929)

Selbstmord in Schweden; mehrere Pseudonyme

„Phänomenologie des Journalismus; analytisch-satirische Schärfe, sarkastisch über den Kleinbürger“

S. 15

Hamsun, Knut, Norw. 1859-1952

Epik, Roman, Abenteuer – und Schelmenromane, Robinsonromane

August Weltumsegler (1927-1933) Trilogie

Versucht zahlreiche handwerkliche Berufe: Schuster, Krämerlehre, Heizer usw.

Unruhe des Zwanzigjährigen

S. 15,

S. 37

 

Kafka, Franz

 

Siehe Lektüren „Das Urteil“, „Die Verwandlung“

 

S. 25

Miller, Henry, Amerik.; 1891-

Romane/Epiker

Wendekreis des Krebses (1939/1953)

„Früh zum Schreiben entschlossen“; finanziert von seiner Frau;

„surrealistische Träume“, Verurteilung des Spießers“, provoziert mit pornographischen Szenen

S. 25

Mann, Thomas, Deut., 1875-1955

Romane /Epiker

Tonio Kröger (1903), Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (1954)

Verlässt nach dem Einjährigen die Schule, um zu schreiben;

ironisch-satirische Schreibweise

S. 25

Gottfried Benn, Deut. 1886-1956

Lyriker

 

Doppelexistenz: Arzt-Dichter

Expressionist

S. 26

Bieneck, Horst, Deut.; 1930-1990

Lyriker Romane

Die Zelle (1968)

 

 

S. 26

Böll, Heinrich, Deut.; 1917-

Romane, Epiker

Und sagte kein einziges Wort (1953), Das Brot der frühen Jahre (1955), So ward Abend und Morgen (1955)

Beginnt mit 17/18 zu schreiben (S. 26)

„Bildung im bürgerlichen Sinne jedem Künstler schade“ (S. 26)

 

S. 54

Hans Fallada, Deut.; 1893-1947

Romane, Epiker

Kleiner Mann was nun? (1932)

„in fremde Kassen griff“ (S. 54)

„Schicksal des kleinen Angestellten, des Massenmenschen;“

S. 54

Roth, Joseph, Öster.; 1894-1939

Romane, Epiker, Journalist

Das Spinnennetz (1923) Hiob (1930), Radetzkymarsch (1932),

Journalist, Frankfurter Zeitung ab 1923; „Alkoholiker“,

Hiob, am Ende das „Wunderkind“

S. 54

Trakl, Georg, Österr.; 1887-1914

Lyriker

 

Gymnasium sitzengeblieben, Apothekerlehre ohne Abitur; Drogenabhängiger

Expressionist, Verfall der Zeit, Traumbilder

S. 62

Burroughs, William, Amerik.; 1914-1997

Romane in „cut-up-Technik“

Naked Launch (1959)

Zielloses Leben, Marihuana, Morphium abhängig

Sätze über 7/8 Zeilen oder ganze Seiten

S. 62

Ginsberg, Allen, Amerik.:1926-1997

Lyriker

Gedicht „Hawl“ (1956)

Texte im LSD-Rausch; obszön

Hektische Phrasierung;

S. 62

Kerouac, Jack, Amerik.; 1922-1969

Romane

On the road (1951)

Alkoholkonsum, Drogenkonsum

 

S. 134

Osbourne, John, Engl.; 1929-1994

Dramatiker

Blick zurück im Zorn (1959)

 

 

S. 141

Dostojewski, Fjodor Michailowitsch (1821-1881)

Romane, Epiker

Schuld und Sühne (1866),

Memoiren aus einem Totenhaus (1861)

Zwangsarbeit in Sibirien wg. Rev. 1848

Präzise/ authentisch das Leben im Straflager

 

5. Fazit: „Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman“ als Lektüreempfehlung für junge erwachsene Leser?

 

Schlussendlich stellt sich noch die Frage, ob der Bildungsroman auch beim Leser einen Reifungsprozess zur Folge hat. Hierbei ist unser Kurs zu dem Schluss gekommen, dass man „Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman“ nicht nur oberflächlich bearbeiten sollte.

Ziel ist es, den Roman detailliert zu untersuchen und die Hintergründe der Themen zu erfassen, um die genaue Thematik zu verstehen. Daher kann der Leistungskurs der Marienschule die Lektüre des Werkes weiterempfehlen.

 

Autorinnen: Valentina Chiaofalo, Maike Hering, Janina Hilbert, Hannah Lukas, Tiziana Nisi, Simone Poehlmann, Lucia Rettig, Juliane West

 

Kursleiter: Herr Beils

 

6. Beispiel Leistungsnachweis

Schriftlicher Leistungsnachweis Nr. 3

Kursleiter: Herr Beils Kursthema: Wirkungszusammenhänge von Literatur

 

Unterrichtseinheit: Genazino, Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman

 

Bearbeitungszeit: 180 Minuten Datum: 08. April 2011

 

Thema: Funktion von Literatur

 

Textgrundlage:

M 1: Auszug aus:

Hage, Volker/Höbel, Wolfgang (2004):

Das Peinliche bewegt mich. Interview mit Wilhelm Genazino. In: Der Spiegel 42/2004 (Zeilennummerierung des Kursleiters)

 

1. Machen Sie die wesentlichen Aussagen des Interviews deutlich und arbeiten Sie Genazinos Selbstbild als Schriftsteller heraus! (30%)

2. Überprüfen Sie, inwiefern Genazino in „Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman“ das „Peinliche“ (Z.1 u. Z. 12) behandelt. (40%)

3. Diskutieren Sie die Entscheidung des Kurses, diesen Roman als Lektüre zu wählen. (30%)