Marienschule Offenbach

Aktuelles

Eröffnung der Ausstellung

„Jüdisches Leben im Dialog – ein Schulprojekt“

 Am 18.02.2013 wurde im Forum Marianum der Marienschule die Ausstellung „Jüdisches Leben im Dialog – Ein Schulprojekt“ eröffnet. Gezeigt werden fünfzig Farbbilder des Fotografen Rafael Herlich, die zeigen, wie Juden in Deutschland leben, wie und welche Feste sie feiern, welche Traditionen ihnen bedeutsam sind, welche biographischen Erfahrungen sie weitergeben und wie sie im Dialog mit anderen Religionen stehen. Die Bilder sind Momentaufnahmen und spiegeln die Vielfalt des jüdischen Lebens in Deutschland wider.

Im Rahmen der feierlichen Eröffnung der Ausstellung trugen Brigitte Rudin (Klavier) und Victoria Reichenbach (Kl. 7b, Klarinette) das Stück „Nanis vals“ von Joachim Johov vor.

Danach begrüßte Frau Trocholepczy die Gäste. Sie wies in ihrer Rede darauf hin, dass der Dialog mit dem Judentum in der Katholischen Kirche und auch an  der Marienschule Tradition habe. Bereits 2004 habe an der Marienschule die Ausstellung „Jüdischer Glaube – Jüdisches Leben, Eine Ausstellung zu den Festen des Judentums“ stattgefunden. Außerdem sei es gerade 50 Jahre her, dass das II. Vatikanische Konzil in dem Dekret „Nostra aetate“ die Juden als die älteren Brüder der Christen bezeichnet habe. Dies bedeute nicht nur, das Alte Testament als Heilige Schrift anzuerkennen, sondern auch die Begegnung, den Dialog mit den jüdischen Brüdern und Schwestern und der jüdischen Kultur zu suchen.

Und so sei es auch die Aufgabe einer christlichen Schule, die Schüler(innen) zur Achtung und zum Respekt gegenüber anderen Religionen und Kulturen zu erziehen und das Zusammenleben der Religionen im Alltag durchzubuchstabieren.Wenn dies geschehe, erfülle die kirchliche Schule den Auftrag der Kirche, einen Beitrag zur Einheit und zur Liebe unter den Menschen zu leisten.

Es folgte dann das Grußwort von Henryk Fridman, der Mitglied im Vorstand der Jüdischen Gemeinde Offenbach ist. Herr Fridman wies darauf hin, dass die Bilder Rafael Herlichs bereits im Offenbacher Rathaus zu sehen gewesen seien, dass aber an diesem Tag die erste Ausstellung an einer Offenbacher Schule eröffnet werde. Er drückte die Hoffnung aus, dass die Ausstellung Rafael Herlichs „Schule mache“, d.h. noch an vielen anderen Schulen gezeigt werde. Er dankte dem Fotografen für seine Mühe und seine Geduld, die Ausstellung, die über Jahre gewachsen sei, immer wieder zu aktualisieren. Er trage dadurch zum Dialog und zum Verständnis unter Juden, Christen und Muslimen bei und fördere das gegenseitige Verständnis. Durch seine Ausstellung werde deutlich, dass Juden ganz normale Menschen seien, die wie alle anderen in Deutschland leben und arbeiten würden, und die sich nur durch eines unterscheiden würden, nämlich dadurch, dass sie jüdisch seien.

Im Anschluss daran gab Dr. Doron Kiesel, Professor für interkulturelle Pädagogik an der Universität Erfurt, eine Einführung in die Ausstellung.

Er sagte, dass die Frankfurter Jüdische Gemeinde wieder 7000 und die Offenbacher Jüdische Gemeinde wieder 1000 Mitglieder habe, sei nichts Selbstverständliches. Vor etwa sechzig Jahren sei es noch undenkbar gewesen, dass Juden auf Dauer wieder in Deutschland leben. Er sei froh, dass die Ausstellung in der Schule gezeigt werde, da es wichtig sei, an bestimmte Themen immer wieder zu erinnern.  Und das Lernen in der Schule habe unterschiedliche Zugänge. Was Rafael Herlich mit seinen Bildern ermögliche, sei eine andere Form des Lernens und Erinnerns. Seine Bilder würden zum Fragen einladen, Fragen ermöglichen:  „Was machen die denn da?“  „Wie leben sie?“

Die Bilder würden den Alltag eines jüdischen Lebens zeigen, das so gut wie erloschen war, und sie würden uns zu Zeugen eines Neubeginns machen, zu Zeugen des Versuchs etwas aufzubauen, zu Zeugen eines jüdischen Lebens in Deutschland, das noch immer keine Selbstverständlichkeit sei. Die Bilder seien eine Brücke zu konkreten Menschen, die die Schülerinnen treffen, die sie befragen sollten. Inzwischen würden wieder etwa 200 000 Juden in der Bundesrepublik leben und wollten ein Teil dieser Gesellschaft sein.

Und es sei gerade die Aufgabe der jungen Generation, den Dialog mit den jüdischen Mitbürgern zu führen. Und so wollten die Bilder Rafael Herlichs neugierig machen auf die jüdische Kultur, die vergangen und neu im Entstehen sei. Die Ausstellung wolle von den Bildern zu den Menschen führen.

Doron Kiesel schloss seine Ausführung mit den Worten: „Wir stehen euch zur Verfügung!“

Zum Abschluss der Ausstellungseröffnung sang der Chor, bestehend aus  Schülerinnen der E-Phase, das  Lied „Dona, dona, dona...“ von S. Secondo und Brigitte Rudin und Victoria Reichenbach spielten das Stück „Bessarabianke“ , arrangiert von Eric J. Hori.

Da der 18. 02. nicht nur der Tag der Ausstellungseröffnung war, sondern auch der Geburtstag von Rafael Herlich, sang der Chor noch das hebräische Geburtstagtagslied

„Hajom jom huledet“.

Danach hatten alle Schülerinnen noch die Möglichkeit, die Bilder zu betrachten und sich mit Rafael Herlich und den anderen Gästen auszutauschen : Jüdisches Leben im Dialog!

Wir danken Herrn Daniel Lewin, Danfol GmbH, für seine freundliche Unterstützung!

Barbara Leber